Sozial- und Strafgefangenenprojekte

1. Im Gefängnis leben auch Menschen
2. Die Strafvollzugsbehörden sind auch Menschen
3. Gedankenaustausch Bern – Lemberg
4. Gefängnisspital Lviv wird renoviert
5. My Family ein Sozialprojekt

Ad 1 Im Gefängnis leben auch Menschen

Es ist kein Geheimnis, dass in der Ukraine die Gefängnisse ein Staat im Staate sind, vollständig getrennt von der übrigen Gesellschaft, mit eigenem Rechtssystem, wo Strafgefangene weitgehend rechtlos sind.
Während die offizielle Schweiz verschiedene DEZA Projekte im Bereich Menschenrechte, Strafvollzug und Justizreform durchführte, öffnete sich für  Bär & Leu ein direkter Weg zu den Menschen in der trostlosen Gefangenenwelt und zwar mit Hilfe von Gefängnisseelsorgern.
Pater Ihor Zar, ehemaliger Boxer, ist davon überzeugt, dass Strafgefangene nicht in erster Linie Strafe nötig haben sondern neue Lebensperspektiven. Mit seinem Buch „die Letzten werden die Ersten sein“ versucht er die Häftlinge in Gesprächen dort abzuholen, wo sie wirklich sind. Diesen Gefängnispfarrer hat B&L kennen gelernt und mit ihm den Zugang zu den Strafgefangenen, aber auch zu den Strafvollzugsbehörden in Lemberg gefunden.
Anfänglich war es ein kleinen Weihnachtsgeschenk für alle Insassen von Gefängnis Nr. 48. Es sollte ein Zeichen dafür sein, dass es noch Menschen ausserhalb der Gefängnismauern gibt, welche an die Gefangenen denken. Die Erfahrung war überwältigend. So hat B&L diese Weihnachtsaktion auf sämtliche Gefängnisse der Oblast Lemberg (ca. 6’000 Strafgefangene) sowie auf das Frauengefängnis Chernighiv ausgedehnt. Auch Hilfsgüter wie Kleider, Computer sowie DEZA Milchpulver als Zusatznahrung wurden in die Gefängnisse geschickt. Die Gefängnis Seelsorger, insbesondere die Redemptoristen, übernahmen die Vermittlung und bauten innerhalb der Strafanstalten Computerklassen für Schulungen auf.

Pater Ihor Tsar Nov. 2007   Weihnachsbescherung im Gefängnis
Pate Ihor Zar – Weihnachtsbescherung

Computerkalsse im FrauengefängnisRedemptoristen Patres
Redemptoristen, Computerklasse

Ad 2 Die Strafvollzugsbehörden sind auch Menschen

Regelmässige Besuche in den Gefängnissen gepaart mit konkreter Hilfe haben zwischen B&L und den Strafvollzugsbehörden in Lemberg ein stabiles Vertrauensverhältnis geschaffen  . Ab 2009 übernimmt Dorothea Loosli die Verantwortung für das Strafgefangenenprojekt. In gemeinsamen Gesprächen werden weitere Projekte angegangen: Der Chefarzt des Gefängnisspitals Lviv bittet um medizinische Hilfsgüter für sein 150 Betten Spital, B&L schickt Spitalwäsche, Instrumente und Liegen.  Für die Betreuung von Strafentlassenen wird die Zusammenarbeit mit dem „regional Center for social Adaption“ (RCSA) gesucht. Diese Organisation hat in einer ehemaligen sowjetischen Raketenstation eine Art Kommune zur Rehabilitation für Strafentlassene aufgebaut. Leider erweist sich diese Zusammenarbeit nicht als nachhaltig.

Generalmajor Ilnitzkyi von LvivMeeting mit Departement Strafvollzug Lviv
Dr. Labensky Spitalgefängnis LvivRehabilitationszenter Kommune Brody

Dorothea Loosli mit General Ilnitzkyi, Gespräche mit Strafvollzugsbehörde, Dr. Labenskyi, Chefarzt Gefängnisspital Lviv, Rehabilitationszentrum RCSA in Brody

Ad 3 Gedankenaustausch Bern – Lemberg

Auf Initiative von Regierungsrat Käser vermittelt B&L Kontakte zwischen der Strafvollzugsbehörde Lemberg (General Dzyuts) und dem Amt für Freiheitsentzug und Betreuung Kanton Bern (Amtsvorsteher M. Kraemer). Im Mai 2011 reist eine Delegation aus Lemberg nach Bern.  Diverse Berner Strafanstalten werden besucht und im Ausbildungszentrum für Strafvollzugspersonal „SAZ“ in Fribourg werden Fragen des Strafvollzugs gemeinsam diskutiert.
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Lemberger Delegation in Bern – die beiden Amtsvorsteher Krämer und Dzyuts

2 Jahre später, 2013, erfolgt der Gegenbesuch der Berner in Lemberg. Auch hier gibt es viel zum Staunen und zum Diskutieren. Auf beiden Seiten bleiben die Erfahrungen nicht ohne Konsequenzen.

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Die Berner in Lemberg – Zuhörerschaft an einer Konferenz in Lviv

Ad 4 Das Gefängnisspital Lviv wird renoviert

Mitten im Zentrum von Lemberg befindet sich das Untersuchungsgefängnis. Innerhalb seiner Mauern liegt ein Gefängnisspital mit 150 Betten. Schwerpunktmässig werden hier Tumorpatienten behandelt, es werden aber auch gynäkologische und viszeralchirurgische Operationen durchgeführt. In der Ukraine dürfen Strafgefangene ausschliesslich in Gefängnisspitälern behandelt werden.
B&L hat erkannt, dass in diesem Spital Hilfe dringend nötig ist und dass die ausgezeichneten Beziehungen zu Generalmajor Dzyuts und die Vertrauenswürdigkeit von Chefarzt Dr. Labenskyi den Boden für eine echte Partnerschaft bilden. Die Medics Holding AG, ein medizinisches Labor in Bern, hat mehrmals grosszügige Spenden für die dringend notwendigen Renovationsarbeiten gesprochen. Zuerst wurde der Operationstrakt, später auch die Nasszellen und Patientenzimmer renoviert, wobei B&L jeweils die Baumaterialien, die Strafvollzugsbehörden Lviv selbst die Arbeitskosten finanziert hat.  Die Anstossfinanzierung aus Bern hat Investitionen von staatlicher Seite von über CHF 300’000.- ausgelöst >> OP-Tische, OP Lampen, Rö-Anlage…

1327679245_12a[1] Untersuchungsgefängnis Lviv mit Spital
OLYMPUS DIGITAL CAMERA Nasszellen Gefängnisspital vor Renovation 4

Januarreise 2012 098 neuer OP Raum mit Einr.kompr.

Vor und nach der Gefängnisrenovation

Ad 5 my family – moya rodyna

Kollektive Kinderbetreuung in Heimen nach sowjetischem System ist in der Ukraine eine bevorzugte Lösung für Waisen, Halbwaisen, aber auch für Kinder aus zerrütteten Familien. Die NGO „My Family > moya rodyna“ setzt sich dafür ein diesen Menschen eine echte Lebenschance zu geben. Sie fördert  seit 2009 mit allen Mitteln die Kinderbetreuung in der Familie, unterstützt Pflege- resp. Adoptivfamilien in ihrer schwierigen Aufgabe und verschafft sich Heimzutritte um die dort zuweilen völlig isolierten Kinder in der übrigen Gesellschaft zu sozialisieren und sie auf eine Eigenständigkeit im Leben vorzubereiten.
2013 hat Dorothea Loosli  zusammen mit my family in Lemberg eine Sozialkonferenz mit verschiedenen Fachleuten aus dem Sozialbereich organisiert. Man hat gemeinsam Programme erarbeitet um Kinder der Pflegefamilien und Heime konkret zu fördern > Aufbau von Unihockey Teams, Cisco Informatikkurse, Haushalt – Koch Kurse, Bastel Gruppen. B&L begleitet und unterstützt diese Aktivitäten mit Know-How, Materialen (Sportutensilien, Computer, Bastelmaterial, Mobiliar) und auch finanziell.
Seit dem Krieg in der Ostukraine bemüht sich B&L zusammen mit my family intensiv um Hilfe für die unzähligen Flüchtlinge. (Nahrung, Betten, Unterkunft).

siehe unseren  >>>> Flyer

Bilder: Lyudmyla Semkiv von My Family an Konferenz und bei den Kindern
Kinder beim Unihockey und am Computer 

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