Zusammenarbeit Kirchen

1. Die Verbindungen von B&L zu Kirchen in der Ukraine

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion brach auch die kommunistische Gesellschaftsordnung zusammen. Sehr viele Menschen fanden in Kirche und Glaube ihren einzigen Halt. In Kirchenkreisen begann sich eine neue Zivilgesellschaft (Bürgergesellschaft) zu bilden, eine Gesellschaft, welche bereit ist Verantwortung zu übernehmen für Bildung, Erziehung und soziale Gerechtigkeit.
So erstaunt es nicht, dass B&L seine erste Brücke zwischen Bern und Lemberg 1992 durch einen Studitenpater gebaut hat. Durch Pater Sebastian ist eine intensive Zusammenarbeit mit oekumenisch offenen Leuten aus der ukrainisch griechisch katholischen Kirche entstanden. 3 Projekte von B&L nahmen hier ihren Ursprung, nämlich >>
– der Mittagstisch für bedürftige Kinder
– die Strafgefangenenprojekte
– das Familienzentrum St. Wolodymyr Fond
Auch die Zusammenarbeit zwischen der Universität Bern und der katholischen Universität Lemberg ist daraus entstanden.
Seit 2012 sind auch Kontakte zu reformierten Kirchgemeinden geknüpft worden.
Zu den verschiedenen Orthodoxen Kirchen (Kiewer Patriarchat, Moskauer Patriarchat, Autokephale Orthodoxie) bestehen nur marginale Kontakte, weil diese Denomination in der Westukraine im Sozialbereich weniger aktiv auftritt.

2. Etwas ukrainische Kirchengeschichte

Die Ukraine ist kirchengeschichtlich ein aussergewöhnliches Land. Im Jahr 988 n.Ch. hat der Fürst Wolodymyr das slawische Grossreich, die sog.  „Kiewer Rus“,  durch eine kollektive Taufe im Dnjepr zu Christen „gemacht“ und sie glaubensmässig in die  Orthodoxe Kirche eingebunden. 1594 suchten 9 orthodoxe Bischöfe der Ukraine eine Union mit der Röm. Kath. Kirche. Sie lösten sich vom orthodoxen Patriarchat und stellten sich durch die Kirchenunion von Brest unter die Schirmherrschaft des Papstes von Rom, behielten aber den byzantinischen (orthodoxen) Ritus bei. Oberhaupt dieser Griechisch Katholischen Kirche war der Gross-Erzbischof von Lemberg (phasenweise Metropolit genannt). Diese Kirche, und mit ihr die Ukraine,  ist damit die Schaltstelle zwischen West- und Ostkirche.
Während der Sowjetherrschaft wurde die Griech. Katholische Kirche verboten und verfolgt. Sie ging in den Untergrund, der Erzbischof von Lemberg 1963 ins Exil nach Rom. Nach dem Zerfall der Sowjetunion blühte sie innert kurzer Zeit wieder auf. Ihr Oberhaupt, Erzbischof / Cardinal Lubomir Husar bemühte sich unermüdlich um eine Öffnung der Kirche gegenüber Staat, gegenüber Orthodoxie und in der Oekumene. Die griechisch katholische Kirche übernahm Verantwortung im sozialen und medizinischen Bereich und auch im Bereiche der Menschenrechte für Gefangene.
Bär und Leu ist von Anfang an in enge Beziehung zur Griechisch Katholische Kirche gekommen. Die katholische Universität Lemberg spielt hier eine zentrale Rolle. Sie bemüht sich nicht nur um die Verarbeitung der Kirchengeschichte sondern auch um Aufarbeit der Geschichte Galliziens. Ebenso hat sie ein eigenes ökumenisches Institut.
Der Boden für eine Zusammenarbeit von Kirchen ist nirgends besser geeignet als gerade in Lemberg. B&L versucht Vermittlungen vor allem im ökumenischen Bereich zu schaffen.

Die St. Georg’s Kathedrale in Lemberg, Zentrum der griech. kathol. Kirche

3. Zusammenarbeit Universität Bern – Katholische Universität Lemberg

Prof. Oleh Turiy, Kirchengeschichtler und derzeitiger Vizedirektor der Kathol. Universität Lemberg ist seit vielen Jahren ein wichtiger Partner von B&L. 2012 hat ihn B&L nach Bern eingeladen. Er hat an der Mitgliederversammlung ein Referat über die Kirchen in der Ukraine gehalten, diverse Presse Interviews gegeben und durch Vermittlung von Albert Rieger eine Partnerschaft zwischen der Berner Universität und der Kathol. Universität Lemberg in die Wege geleitet. So konnte 2013 der Berner Dozent Prof. Martin George ein Seminar in Lemberg halten. Geplant ist ein Studentenaustauschprogramm zwischen Bern und Lemberg.

Prof. Oleh Turiy Prof. Oleh Turiy

DSC02640 (640x480) Ukrainische Katholische Universität Lemberg

DSC02670 (640x480) Seminar in Lviv mit Prof. Martin George Bern

4. Reformierte Kirche in der Ukraine

Der 2. Weltkrieg und die sowjetische Herrschaft haben praktisch sämtliche reformierten Kirchgemeinden in der Ukraine ausgelöscht. Erst seit der Wende 1991 war es überhaupt möglich, dass jemand eine Bibel zum Lesen erhalten konnte.
Kontakte zwischen Bern und reformierten Partnern bestehen seit vielen Jahren, dies aber nicht in Lemberg, sondern in Rivne, einer Stadt ca. 100 km im Osten. Pfr. Markus Wyss, Bern, hat Pfarrer Viktor Zaychuk und seine Evangelic Reformed Church „Bethlehem“ in Rivne immer wieder besucht und viele Hilfsgüter dorthin geschickt. Seit 2012 hat der Verein Ukraine-Direkt www.ukraine-direkt.ch diese Tätigkeit übernommen. B&L hat Rivne 2013 besucht und seither eine Zusammenarbeit mit Ukraine-Direkt aufgebaut und zwar in folgenden Bereichen >> 1. Logistik (gemeinsame Hilfsgütertransporte) 2.Theologische Unterstützung der reformierten Gemeinde Bethlehem, v.a. bezüglich Anschluss an die Weltgemeinschaft der reformierten Kirchen    3. Unterstützung der Rehabilitationsklinik für Suchtkranke in Bronniki.
Schwerpunktmässig arbeitet B&L aber primär in Lemberg während UD ausschliesslich in Rivne engagiert ist.

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Parrer Viktor Zaychuk – Reformierte Kirche Rivne